Mittwoch, 29. August 2007

Untreue Schafe?

Wie halten es Schafe mit der Treue?
Trotten ja immer der Herde hinterher, was soll also die Frage? Nja, da gibt es eben Nuancen, auch bei den Schafen:
Da gibt es die 'Immer-dabei-sein'-Schafe, die dauernd auf die andern schauen, immer mit der Mitte der Herde mitrennen wollen; bei jeder kleinsten Bewegung in der Herde reagieren sie mit gespannter Aufmerksamkeit, seismisch; sie machen jede zufällige Bewegung mit, sogar die Fehltritte der Leithammel resp. derjenigen, die sie dafür halten, und das sind potentiell alle anderen. Sie sind immer auf dem Sprung, den Anschluss nicht zu verpassen. Obwohl dies gerade ihnen bestimmt nie passieren wird, da sie sich ja immer inmitten der Herde aufhalten, ja nicht am Rand, ja nicht auffallen oder gar abfallen, isoliert werden: der Alptraum eines jeden 'Dabeisein'-Schafs. Kann ein Schaf zu treu sein?
Dann die Leithammel, sie verstehen Treue zu ihrer Herde als Führungsaufgabe. Solange die anderen schön mitlaufen durch dick und dünn, sich dabei sogar noch weidli fortpflanzen (Wachstum!) ohne dass die Herde deshalb je das Tempo drosseln muss, und nicht zu laut blöken, gibt es keinen Grund, die Herde zu wechseln.
Daneben gibt es noch, resp. buchstäblich ferner liefen und laufen noch: die Eigenbrötler oder Eigengräsler. Sie wollen nicht mit anderen am selben Grasbüschel kauen, oder gar an einem Grasbüschel, über den schon 20 Kollegen hinweggegrast und -gestakt sind. Eigengräsler brauchen Abstand. Eine Herde ist ja schon gut, weil allein geht's ja nicht und zu gefährlich etc., aber der enge Herdenduft und die zwischenschäfliche Schwüle sind für solche Liebhaber von Frischgras- und Frischluft schlicht unaushaltbar! In treuem Abstand von einigen 20 Metern begleiten Sie die Herde. Sichtweite ja, Riechweite nur im Notfall.
Dann gibt es aber auch noch Wanderschafe, immer auf Wanderschaft, der Name sagt's. Sie lieben es, manchmal wieder die Herde zu sehen, sich mitten hineinzumischen, allen hallozuschnuppern und zu -stubsen; aber bald müssen sie wieder weiter, in die Weite hinaus zieht es sie, es ist noch keinem Schaf gelungen, sie festzuhalten. Zwischen den unendlichen Weiten treffen sie da und dort wieder auf eine ihnen bekannte, verwandte oder befreundete Herde, oft eine Wahlverwandt-Schaf-t. Da geht der Schnupperflirt dann von neuem los, alles eitel Freude, bis es sie wieder weiter zieht und sie auch jene Herde wieder verlassen.
Sind diese Wanderschafe deshalb untreu? Naja, wie schaf will. Aus Sicht der ewig-treuen Herdenhocker an ihrem reservierten Stammgrasbüscheln ganz sicher: 'Nicht loyal, nicht zuverlässig, kommen nur, um von unserem (sic!) Gras zu fressen und gehen dann wieder' hört schaf da bisweilen, oder kann es zumindest den mürrisch-misstrauischen Blicken entnehmen.
Das blöde an den Wanderschafen ist halt, dass schaf bei ihnen nie recht weiss, ob sie nun zur eigenen Herde gehören oder nicht, resp. wie lange sie nun wieder dabei sind; denn auch wenn sie nun schon zum X-ten Mal treu wieder dieselbe Herde mit Anwesenheit beehren, und mehr als anwesend zu sein kann ein Schaf in einer Herde ja nicht leisten: bald sind sie vielleicht wieder weg, sobald andere Weidegründe sie rufen - und davon kennen Wanderschafe viele -, vielleicht schon morgen.
Zum Glück haben ja Wanderschafe jeweils auch Freunde in einer Herde, die sich freuen, wieder mal wen und was von weiter her zu hören und zu sehen. Und den Leithammeln bringen diese Temporären und Freelancer wertvolle Infos über das weitere Umfeld und geniessen deshalb ihren Schutz - oder werden zumindest toleriert, solange sie nicht zuviel Aufruhr und Unruhe verursachen...
also: leben und leben lassen, schaf(f)en und schaf(f)en lassen

Donnerstag, 31. Mai 2007

Schafträume

Natürlich träumen Schafe.

Von einem wilderen Leben.

Aber natürlich nicht als Schaf.
Als Wildschaf ist das Leben stressig und gefährlich, schaf ist ständig auf der Flucht vor Jägern, Wölfen, Schneeleoparden und Luchsen, immer auf der Hut, auf Achse, auf der Suche nach Wasser, Salz und neuen Weidegründen, nach weiss der Geier was. Kommt er dann, der Geier, geht's an die Knochen.
Aber eben, davon träumen Schafe ja nicht, ausser ihnen träumt es grad mal schlecht.
Was träumen denn Schafe, wenn sie nicht gerade Schäfchen zählen?

Schafe träumen kühn:
  • Von weiten Flügen als Adler, hoch kreisend über silbernen Gipfeln, graphitgrauen Fluen und Felswänden
  • Von Jagdgalopp als Wildpferd unter dem Hintern eines asiatischen Reiters, stiebend über die Steppe, Jeghaah ...
  • Schrecken zu erregen als Kampfadler im Dschungel, auf der Jagd nach Affen und Faultieren, mit Klauen so lang wie die Federn am Hinterkopf, die man sträubt
philippine eagle

Da sträubt sich den Schafen die Wolle, wenn sie sowas träumen, erregt bohren sie die Klauen ins Erdreich, ohne Acht auf Wurm und Wurzel.

Hätten Sie's gewusst?
Schafe können skrupellos sein.
Insgeheim.

Samstag, 12. Mai 2007

Die Anarchie des Schafs (I)

Schafe sind grundsätzlich, von der Grundtiefe ihrer Existenz her anarchisch.
Ja?
Schafe wurden einmal von Gott, repräsentiert durch das Mutterschaf, in die Welt geworfen, soweit sie sich überhaupt noch daran zu erinnern vermögen. Da sind sie nun, und Gott, dann als dunkel schwarzes allverschlingendes Weibsschaf, das ahnen sie bereits, wird sie zu seiner/ihrer Zeit wieder von der Grasnarbe abräumen. Wegräumen, ab in den Orcus, den Schafhimmel, das Schaf-Nirvana.
Wie es dort aussieht, weiss nicht mal ein Schaf. Alles voll duftender Kräutlein? Kein Elektrozaun, kein kalter Regen und auch keine blöden Kläffhunde?
Was soll schaf sich da also ins Leben dreinreden lassen?
Schaf allein in Kälte
Natürlich empfiehlt sich eine gewisse Anpassung: Als Schaf ist man/frau nicht gern allein, drum geht schaf praktischerweise mit der Herde, da ist schaf gesellig und gepuffert gegen alle Ungemach. Je mehr in der Mitte der Herde, desto weniger fällt schaf auf, desto ruhiger das Leben.

Die Anarchie des Schafs besteht in seiner Trägheit.
Schafe lassen sich grundsätzlich zu nichts motivieren. Wozu auch? Sie haben ja alles. Was sie brauchen, und mehr wollen sie nicht, bei ihrer Wolle!
Zwar sind Schafe der Inbegriff der manövrierbaren Masse. Aber im Grunde ist ihre Kooperationsbereitschaft sehr begrenzt: Ihr Gehorsam ist nie vorauseilend. Sobald der äussere Antrieb wegfällt, kommt die Herde zur Ruhe und gibt sich dem Wiederkäuen hin.
Schafe kennen kein Commitment.
Dafür sind sie zu dumm.
Denkt man.
Lassen sie einen denken, lassen sie einen im Glauben.
Unter der Oberwolle des angepassten Mitläufers verbirgt sich das Schaf als grundanarchisches Vieh.
Was denken Sie?

Donnerstag, 10. Mai 2007

Leben als Schaf

Schafe kümmert nichts.
Sie stehen auf der Wiese, nur der Unterkiefer bewegt sich in ruhigem Rhythmus seitwärts kauend, und blicken irgendwo ins Grün.
Manchmal drehen die seitwärts herausragenden Ohren etwas nach da, nach dort, wie halt grad so der Wind geht, der die Fetzchen Hühnergacker, Kirchturmgeläut und Kinderschrei vom Dorf herüberträgt.
In Ruhe Schaf sein
Wären Sie auch gerne ein Schaf?

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